Ich arbeite mit Leder. Mit zwei Nadeln, Garn und einem Nähkloben  so wie Sattler es seit Jahrhunderten tun. Langsam. Präzise. Mit den Händen.

Aber Sättel nähe ich keine.

Die Technik ist alt, klar, erprobt, auf das Wesentliche reduziert. Was daraus wächst, ist es nicht. Mich interessiert, was sich zeigt, wenn ich dem Material Zeit lasse. Wenn ich nicht entwerfe, sondern zuhöre. Die Formen, die auftauchen, wachsen aus dem Prozess, organisch, reduziert, manchmal seltsam vertraut. Inspiriert von Strukturen aus Natur und Mikrobiologie, aber nie kopiert. Eher: gefunden. Sie wollen nicht, sie sind.

Leder erinnert. Es trägt Zeit in sich, Spuren, Spannung, Oberfläche, Geruch.

Es ist die Technik, die mich zurückbringt: in die Werkstatt meines Opas. Lehmboden. Holz. Werkzeuge. Sein Blaumann. Der Moment, in dem ich verstand: Material kann lebendig werden. Diese Faszination hat mich nicht losgelassen.

Was bleibt, sind Objekte zwischen Handwerk und Formforschung, reduziert auf das Wesentliche, geschaffen, um zu bleiben. Eine haptische Konstante in einer Welt, die sich zu schnell bewegt.



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